Der WACC ist der durchschnittliche Zinssatz, den ein Unternehmen für sein gesamtes Kapital zahlen muss, gewichtet nach dem Anteil von Eigen- und Fremdkapital.
Gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten (WACC)
Der WACC (Weighted Average Cost of Capital) misst die durchschnittliche Rendite, die ein Unternehmen erwirtschaften muss, um sowohl seine Aktionäre als auch seine Fremdkapitalgeber angemessen zu entlohnen. Die Formel lautet: WACC = (E/V x Re) + (D/V x Rd x (1 - Tc)), wobei E der Marktwert des Eigenkapitals ist, D der Marktwert des Fremdkapitals, V die Summe aus E und D, Re die Eigenkapitalkosten, Rd die Fremdkapitalkosten und Tc der Unternehmenssteuersatz. Da Zinszahlungen auf Fremdkapital steuerlich absetzbar sind, wird der Fremdkapitalanteil mit (1 - Tc) multipliziert, um die tatsächlichen Kosten nach Steuern abzubilden. Re wird häufig über das Capital Asset Pricing Model (CAPM) geschätzt.
Man kann den WACC am besten als Mindestrendite verstehen, die eine Investition übertreffen muss. Ein niedriger WACC bedeutet, dass sich ein Unternehmen günstiger finanzieren kann, oft weil es einen gesunden Anteil an günstigem Fremdkapital nutzt und von Investoren als risikoarm eingestuft wird. Ein hoher WACC deutet dagegen auf teure Finanzierung hin, etwa weil das Unternehmen stark auf teures Eigenkapital angewiesen ist, in einer riskanten Branche tätig ist oder eine schwache Bonität aufweist. Der Vergleich des WACC zwischen Unternehmen derselben Branche zeigt, wer effizienter finanziert ist.
In der Praxis ist der WACC keine feste Größe, sondern verändert sich mit Zinsniveau, Aktienkurs, Verschuldungsgrad und Steuersätzen. Analysten aktualisieren ihn deshalb regelmäßig, statt auf veraltete Schätzungen zurückzugreifen. Wichtig ist außerdem, dass der WACC die Kapitalkosten der bestehenden Unternehmensstruktur widerspiegelt und nicht automatisch für jede Entscheidung der richtige Diskontierungssatz ist, besonders wenn ein einzelnes Projekt ein deutlich anderes Risikoprofil als das Gesamtunternehmen aufweist.
Beispielrechnung
Nehmen wir ein mittelständisches deutsches Maschinenbauunternehmen mit einem Marktwert des Eigenkapitals von 8.000.000,00 € und ausstehenden Verbindlichkeiten von 2.000.000,00 €, insgesamt also 10.000.000,00 € Gesamtkapital. Der Eigenkapitalanteil (E/V) liegt somit bei 80 %, der Fremdkapitalanteil (D/V) bei 20 %. Die über das CAPM geschätzten Eigenkapitalkosten betragen 12 %, die Fremdkapitalkosten anhand der Zinssätze der laufenden Kredite 6 %. Der anzuwendende Unternehmenssteuersatz liegt bei 30 %.
Setzt man diese Werte in die Formel ein: WACC = (80 % x 12 %) + (20 % x 6 % x (1 - 30 %)). Der Eigenkapitalanteil trägt 9,60 Prozentpunkte bei. Beim Fremdkapital wird zunächst der Steuervorteil berücksichtigt: 6 % x 0,70 = 4,20 %, gewichtet mit 20 % ergibt das 0,84 Prozentpunkte. Addiert man beide Teile, ergibt sich ein WACC von rund 10,44 %.
Diese 10,44 % sind die Mindestrendite, die das Unternehmen mit seinen Vermögenswerten jährlich erwirtschaften muss, um sowohl die Renditeerwartungen der Aktionäre als auch die Zinsverpflichtungen gegenüber den Kreditgebern zu erfüllen. Plant das Unternehmen eine neue Produktionslinie mit erwarteter Rendite von 13 %, übertrifft dies den WACC deutlich und schafft Wert; ein Projekt mit nur 8 % erwarteter Rendite würde dagegen trotz bilanzieller Gewinne wirtschaftlich Wert vernichten.
Praktische Anwendung
Der WACC ist der Standard-Diskontierungssatz im Discounted-Cashflow-Verfahren (DCF), bei dem zukünftige freie Cashflows eines Unternehmens auf ihren heutigen Wert abgezinst werden. Aktienanalysten, Investmentbanker und Corporate-Finance-Teams nutzen den WACC, um den heutigen Wert eines Unternehmens, eines Geschäftsbereichs oder eines Übernahmeziels zu schätzen, da schon kleine Änderungen des Zinssatzes das Bewertungsergebnis erheblich verschieben können.
Bei Investitionsentscheidungen vergleichen Finanzabteilungen die erwartete interne Rendite (IRR) oder den Kapitalwert (NPV) eines geplanten Projekts mit dem WACC des Unternehmens, bevor grünes Licht gegeben wird. Ein Projekt lohnt sich grundsätzlich nur, wenn seine erwartete Rendite über dem WACC liegt, andernfalls würde es Kapital ineffizienter einsetzen, als es Aktionäre und Kreditgeber ohnehin verlangen. So dient der WACC als praktische Hürde für Investitionen jeder Art, von neuen Fabriken bis zu Marketingkampagnen.
Der WACC fließt außerdem in interne Steuerungsgrößen wie das Economic-Value-Added-Konzept (EVA) ein, bei dem ein Geschäftsbereich nicht nur am Gewinn, sondern daran gemessen wird, ob seine Rendite die Kapitalkosten des Unternehmens übertrifft. Auch Investoren und Ratingagenturen vergleichen den WACC eines Unternehmens mit dessen Rendite auf das investierte Kapital (ROIC), um zu beurteilen, ob tatsächlich Wert geschaffen wird.
Häufige Fehler
Ein häufiger Fehler ist es, denselben unternehmensweiten WACC unabhängig vom Risikoprofil auf jedes Projekt anzuwenden. Ein riskantes Vorhaben, etwa der Eintritt in einen neuen Auslandsmarkt, sollte mit einem höheren, risikoadjustierten Zinssatz bewertet werden, während ein risikoarmes Projekt, etwa der Ersatz bestehender Anlagen, einen niedrigeren Satz rechtfertigt. Wird pauschal derselbe WACC verwendet, können schlechte Projekte fälschlich angenommen und gute fälschlich abgelehnt werden.
Ebenso wird häufig übersehen, dass für E und D Marktwerte statt Buchwerte verwendet werden sollten. Der Marktwert des Eigenkapitals ergibt sich aus Aktienkurs mal Anzahl der ausstehenden Aktien, nicht aus dem Bilanzwert des Eigenkapitals, und die Verwendung von Buchwerten kann die Gewichtung und damit den WACC spürbar verzerren.
Ein weiterer verbreiteter Fehler ist die Vernachlässigung des Steuervorteils auf Fremdkapital, sei es durch das Vergessen des Faktors (1 - Tc) oder durch die Anwendung eines falschen Steuersatzes. Da Zinsen in den meisten Ländern steuerlich absetzbar sind, führt das Fehlen dieser Anpassung dazu, dass die tatsächlichen Fremdkapitalkosten und damit der gesamte WACC überschätzt werden.
Vergleich
Aspekt
WACC
Diskontierungssatz
Definition
Die gewichteten Gesamtkapitalkosten eines Unternehmens aus Eigen- und Fremdkapital
Allgemeiner Begriff für jeden Zinssatz, der zukünftige Cashflows abzinst
Berechnung
(E/V x Re) + (D/V x Rd x (1-Tc))
Kann der WACC sein, die über CAPM ermittelten Eigenkapitalkosten oder jede andere situationsabhängig gewählte Renditeanforderung
Aussagekraft
Mindestrendite zur Befriedigung von Aktionären und Kreditgebern
Risikoniveau und Opportunitätskosten eines bestimmten Cashflows
Typischer Einsatz
Unternehmensweite DCF-Bewertung und Standard-Investitionsrechnung
Jedes Bewertungsmodell, angepasst an das spezifische Risiko von Projekt oder Vermögenswert
Wesentliche Einschränkung
Setzt voraus, dass das Projektrisiko dem Unternehmensrisiko entspricht
Ein falsch gewählter Satz verzerrt die Bewertung ebenso leicht
Ist ein höherer oder niedrigerer WACC besser für ein Unternehmen?
Ein niedrigerer WACC ist grundsätzlich besser, weil das Unternehmen sich günstiger finanzieren kann, wodurch mehr potenzielle Investitionen wirtschaftlich sinnvoll werden. Ein hoher WACC setzt die Messlatte für Projekte höher und kann auf höheres wahrgenommenes Risiko, starke Abhängigkeit von teurem Eigenkapital oder eine schwächere Bonität hindeuten. Der WACC sollte jedoch immer zusammen mit der tatsächlichen Kapitalrendite betrachtet werden, denn ein niedriger WACC bei noch niedrigerer Rendite ist weiterhin ein Warnsignal.
Was ist der Unterschied zwischen WACC und Kapitalkosten?
Kapitalkosten ist der übergeordnete Begriff und bezeichnet allgemein, was es ein Unternehmen kostet, Kapital aus einer einzelnen Quelle zu beschaffen, etwa nur die Eigenkapitalkosten oder nur die Fremdkapitalkosten. Der WACC ist eine konkrete Berechnung, die diese einzelnen Kostenarten entsprechend ihrem Anteil an der Finanzierung zu einem gewichteten Durchschnitt zusammenführt. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden beide Begriffe manchmal synonym verwendet, technisch ist der WACC jedoch die zusammengeführte, gewichtete Größe.
Wie schätzt ein Start-up seinen WACC?
Start-ups tun sich oft schwer mit einer zuverlässigen WACC-Berechnung, da sie häufig kaum Fremdkapital haben, keinen Börsenkurs zur Ermittlung des Eigenkapitalwerts besitzen und ihre Cashflows stark schwanken und schwer vorhersehbar sind. Viele frühphasige Investoren nutzen deshalb einen hohen, risikoadjustierten Diskontierungssatz, teils deutlich über 20 bis 30 Prozent, statt einen formal berechneten WACC. Mit zunehmender Reife, der Aufnahme von Fremdkapital oder einem Börsengang wird eine klassische WACC-Berechnung realistischer und aussagekräftiger.
Kann der WACC negativ sein?
Unter normalen Bedingungen ist der WACC praktisch nie negativ, da sowohl die Eigenkapitalkosten als auch die Fremdkapitalkosten nach Steuern in der Regel positive Werte darstellen, die die von Investoren und Kreditgebern verlangte Risikokompensation widerspiegeln. In seltenen Extremsituationen, etwa bei negativen Zinsen auf Fremdkapital, könnte die Fremdkapitalkomponente rechnerisch negativ werden, doch der Eigenkapitalanteil hält den gesamten WACC bei nahezu allen realen Unternehmen positiv.
Wie hängen WACC, NPV und IRR zusammen?
Der WACC dient häufig als Diskontierungssatz zur Berechnung des Kapitalwerts (NPV) eines Projekts, da zukünftige Cashflows mit einem Zinssatz auf den heutigen Wert abgezinst werden müssen und der WACC die Standardwahl ist, wenn das Projektrisiko dem Gesamtrisiko des Unternehmens ähnelt. Ein Projekt gilt üblicherweise als attraktiv, wenn sein NPV bei diesem Zinssatz positiv ist, beziehungsweise wenn seine interne Rendite (IRR) über dem WACC des Unternehmens liegt.