Die inverse SKS ist das Spiegelbild der klassischen Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Nach einem Abwärtstrend bildet der Kurs ein Tief (linke Schulter), fällt auf ein noch tieferes Tief (Kopf) und hält beim dritten Rückgang ein höheres Tief (rechte Schulter). Die Hochs zwischen den Tiefs bilden die Nackenlinie. Erst ein Schluss über dieser Linie, idealerweise mit kräftigem Volumen, bestätigt die Bodenbildung.
Inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation (iSKS)
Die inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation (iSKS) ist eine bullische Umkehrformation am Ende eines Abwärtstrends: drei Tiefs, das mittlere am tiefsten, und eine Nackenlinie, deren Überwindung die Wende bestätigt.
Kurzüberblick
Aufbau und Erkennung
Vorheriger Abwärtstrend: Die Formation hat nur Bedeutung, wenn es einen Rückgang gibt, der enden kann.
Linke Schulter: ein Tief im laufenden Abwärtstrend mit anschließender Erholung.
Kopf: ein neues, tieferes Tief, gefolgt von einer Erholung etwa bis zum vorherigen Reaktionshoch.
Rechte Schulter: ein erneuter Rückgang, der über dem Kopf endet und meist ungefähr auf Höhe der linken Schulter liegt. Verkäufer schaffen kein neues Tief mehr.
Nackenlinie und Ausbruch: Die Linie verbindet die beiden Reaktionshochs. Bei Bodenformationen betont die Lehrbuchbeschreibung das Volumen besonders: Ein Ausbruch über die Nackenlinie mit deutlich steigendem Umsatz ist wichtiger als bei der Top-Variante.
Marktpsychologie
Die linke Schulter und der Kopf entstehen noch im Pessimismus – jeder Rückgang erreicht ein neues Tief. Die Erholung vom Kopf zeigt erstmals, dass Käufer auf diesem Niveau aktiv werden. An der rechten Schulter versuchen Verkäufer es erneut, schaffen aber kein tieferes Tief mehr.
Steigt der Kurs danach über die Nackenlinie, decken Leerverkäufer ein und neue Käufer steigen ein. Die frühere Widerstandszone wird oft zur Unterstützung. Wie weit der Anstieg trägt, hängt aber vom Marktumfeld ab.
Handelsregeln
Einstieg
Viele Trader kaufen nach einem Tagesschluss über der Nackenlinie mit überdurchschnittlichem Volumen. Alternativ wartet man auf einen Rücklauf an die Nackenlinie, die dann als Unterstützung halten sollte.
Stop-Loss
Ein enger Stop liegt unter der rechten Schulter, ein weiter Stop unter dem Kopf. Fällt der Kurs unter die rechte Schulter, ist die Bodenbildung fraglich.
Kursziel
Das klassische Kursziel misst den Abstand vom Kopf bis zur Nackenlinie und addiert ihn zum Ausbruchspunkt. Beispiel: Kopf bei 40 €, Nackenlinie bei 50 € (Abstand 10 €), Ausbruch bei 50 € – Kursziel etwa 60 €. Widerstände auf dem Weg sind sinnvolle Stellen für Teilverkäufe.
Ungültig, wenn …
Die Formation ist ungültig, wenn der Kurs nach dem Ausbruch wieder klar unter die Nackenlinie fällt oder die rechte Schulter unterschreitet. Ein Ausbruch ohne Volumen ist zumindest verdächtig.
Bestätigungssignale
Volumen: Beim Ausbruch über die Nackenlinie sollte der Umsatz deutlich anziehen. Ein Ausbruch auf dünnem Volumen scheitert eher.
Schlusskurs: Ein kurzer Ausflug über die Linie im Tagesverlauf reicht nicht – entscheidend ist der Schlusskurs.
Momentum: Ein höheres RSI-Tief an der rechten Schulter oder eine bullische MACD-Divergenz unterstützen die Deutung.
Gesamtmarkt: Stabilisiert sich auch der DAX oder die Branche, hat ein Ausbruch mehr Rückenwind.
Beispiel im Aktienchart
Angenommen, eine Aktie aus dem MDAX fällt von 70 € auf 45 € (linke Schulter), erholt sich auf 50 €, rutscht auf 40 € (Kopf) und steigt erneut auf etwa 50 €. Der nächste Rücksetzer endet bei 45 € (rechte Schulter). Schließt die Aktie anschließend bei 51 € mit fast doppeltem Durchschnittsvolumen über der Nackenlinie, könnte ein Trader kaufen, den Stop unter 44 € legen und etwa 60 € als Zielbereich notieren – mit Blick auf einen früheren Widerstand bei 58 €.
Häufige Fehler
Vor dem Ausbruch kaufen
Die rechte Schulter kann sich zu einem neuen Tief ausweiten. Erst der Schluss über der Nackenlinie vollendet die Formation.
Das Volumen übersehen
Gerade bei Bodenformationen gilt ein Ausbruch ohne Umsatzanstieg als schwach.
Unklare Formationen erzwingen
Sehr ungleiche Schultern oder ein kaum ausgeprägter Kopf machen die Deutung beliebig.
Den übergeordneten Trend ignorieren
In einem starken Abwärtstrend auf Wochenbasis scheitern Bodenformationen im Tageschart häufiger.
Kein Plan für den Fehlschlag
Legen Sie vor dem Einstieg fest, wo die Idee falsch ist, und halten Sie den Stop ein.
Checkliste
- Vor der Formation bestand ein klarer Abwärtstrend
- Der Kopf liegt deutlich unter beiden Schultern
- Die rechte Schulter bleibt über dem Kopf
- Die Nackenlinie verbindet die beiden Reaktionshochs
- Ein Tagesschluss über der Nackenlinie liegt vor
- Das Volumen steigt beim Ausbruch deutlich an
- Stop, Kursziel und Positionsgröße stehen fest
Häufige Fragen
Quellen
Die Definitionen folgen der gängigen Lehrbuchbeschreibung der oben genannten Quellen. Chartformationen sind Interpretationshilfen; keine Formation hat eine feste Trefferquote.