Fallender Keil (Falling Wedge)

Der fallende Keil ist eine bullisch gedeutete Formation: Der Kurs fällt zwischen zwei abwärts gerichteten, zusammenlaufenden Linien, der Abwärtsdruck lässt nach, und ein Ausbruch über die obere Linie bestätigt das Signal.

Signal: bullisch Bestätigung: Schluss über der oberen Linie Schwierigkeit: fortgeschritten Typ: Chartformation Umfeld: Abwärtstrend oder Korrektur

Kurzüberblick

Im fallenden Keil bildet der Kurs tiefere Hochs und tiefere Tiefs, doch die Tiefs fallen langsamer als die Hochs. Die beiden Linien zeigen nach unten und laufen zusammen. Das wirkt zunächst bärisch, signalisiert aber nachlassenden Verkaufsdruck. Am Ende eines Abwärtstrends kann der Keil eine Umkehr ankündigen, als Korrektur in einem Aufwärtstrend eine Fortsetzung. In beiden Fällen ist er bullisch – bestätigt aber erst mit einem Schluss über der oberen Linie.

Aufbau und Erkennung

Obere Linie: verbindet mindestens zwei, besser drei tiefere Hochs und fällt steiler.

Untere Linie: verbindet mindestens zwei tiefere Tiefs und fällt flacher. Dadurch laufen die Linien aufeinander zu.

Dauer: Keile entwickeln sich im Tageschart oft über mehrere Wochen bis Monate, länger als Flaggen oder Wimpel.

Ausbruch: ein Schluss über der oberen Linie. Das Volumen nimmt im Keil oft ab und sollte beim Ausbruch zunehmen.

Abgrenzung: Beim absteigenden Dreieck ist die Unterseite waagerecht, beim fallenden Keil fallen beide Linien.

Marktpsychologie

Jedes neue Tief im Keil ist nur noch knapp tiefer als das vorherige. Verkäufer schaffen es zwar, den Kurs weiter zu drücken, aber mit immer weniger Wirkung. Käufer fangen die Rückgänge früher auf, und die Schwankungsbreite schrumpft.

Wenn der Kurs schließlich über die obere Linie steigt, wird klar, dass die Verkäufer erschöpft sind. Leerverkäufer decken ein und verstärken den Anstieg. Wie weit er läuft, hängt vom Gesamtmarkt und von Widerständen ab.

Handelsregeln

Einstieg

Viele Trader kaufen nach einem Tagesschluss über der oberen Keillinie. Vorsichtigere warten, bis der Kurs zusätzlich das letzte Zwischenhoch im Keil übersteigt, oder auf einen erfolgreichen Rücklauf an die gebrochene Linie.

Stop-Loss

Der Stop liegt unter dem letzten Tief im Keil. Fällt der Kurs darunter, ist die bullische Deutung gescheitert.

Kursziel

Ein verbreiteter Ansatz misst die Höhe des Keils an seinem breitesten Anfang und addiert sie zum Ausbruchspunkt; alternativ dient der Beginn des Keils als erstes Ziel. Beispiel: Keil beginnt bei 50 € (Hoch) und 40 € (Tief), Höhe 10 €, Ausbruch bei 38 € – Ziel etwa 48 €.

Ungültig, wenn …

Die Formation ist ungültig, wenn der Kurs nach dem Ausbruch wieder unter die obere Linie und dann unter das letzte Tief fällt, oder wenn er ohne Ausbruch klar unter die untere Linie bricht.

Bestätigungssignale

Volumen: sinkend im Keil, deutlich steigend beim Ausbruch.

Momentum: Eine bullische Divergenz – der Kurs macht tiefere Tiefs, der RSI nicht – passt gut zum fallenden Keil.

Folgekerzen: Ein Hoch über dem letzten Zwischenhoch des Keils bestätigt, dass die Abwärtsstruktur gebrochen ist.

Kontext: Als Korrektur in einem langfristigen Aufwärtstrend wirkt der fallende Keil stimmiger als in einem kräftigen Abwärtstrend.

Beispiel im Aktienchart

Angenommen, eine Aktie fällt über zwei Monate von 50 € auf 36 €. Die Hochs liegen bei 50 €, 45 € und 41 €, die Tiefs bei 40 €, 38 € und 36,50 € – die Spanne wird enger, der Umsatz sinkt. Schließt die Aktie dann bei 40 € über der oberen Keillinie mit kräftigem Volumen, könnte ein Trader kaufen, den Stop unter 36,50 € legen und einen Zielbereich um 48 bis 50 € beobachten. Im DAX-Chart lässt sich dieselbe Struktur in Korrekturphasen finden.

Häufige Fehler

Den Keil für bärisch halten

Obwohl der Kurs fällt, gilt der fallende Keil als bullische Formation. Entscheidend ist das Zusammenlaufen der Linien.

Mit dem absteigenden Dreieck verwechseln

Ist die Unterseite waagerecht, ist es ein Dreieck mit anderer Deutung.

Vor dem Ausbruch kaufen

Ein Keil kann sich länger ziehen als erwartet oder nach unten brechen.

Parallele Linien als Keil zeichnen

Fallen beide Linien gleich steil, ist es ein Abwärtskanal, kein Keil.

Den Stop zu eng setzen

Nach dem Ausbruch testet der Kurs oft die obere Linie. Der Stop gehört unter das letzte Tief.

Checkliste

  • Beide Begrenzungslinien zeigen nach unten
  • Die Linien laufen erkennbar zusammen
  • Jede Linie hat mindestens zwei Berührungspunkte
  • Das Volumen nimmt im Keil ab
  • Ein Tagesschluss über der oberen Linie liegt vor
  • Der Stop liegt unter dem letzten Tief im Keil
  • Kursziel und Widerstände sind geprüft

Häufige Fragen

Ist der fallende Keil bullisch oder bärisch?
Er gilt als bullisch. Trotz fallender Kurse zeigt das Zusammenlaufen der Linien, dass der Verkaufsdruck nachlässt.
Was ist der Unterschied zwischen fallendem und steigendem Keil?
Der fallende Keil zeigt nach unten und gilt als bullisch, der steigende Keil zeigt nach oben und gilt als bärisch.
Ist der fallende Keil eine Umkehr- oder Fortsetzungsformation?
Beides ist möglich: am Ende eines Abwärtstrends eine Umkehr, als Korrektur in einem Aufwärtstrend eine Fortsetzung.
Wie zuverlässig ist der fallende Keil?
Es gibt keine feste Trefferquote. Markt, Zeitrahmen, Volumen und Bestätigung beeinflussen das Ergebnis – testen Sie die Formation mit eigenen Daten.
Wie berechnet man das Kursziel?
Häufig wird die Höhe des Keils am Anfang zum Ausbruchspunkt addiert oder der Startpunkt des Keils als Ziel genommen. Beides sind grobe Richtwerte.

Quellen

Die Definitionen folgen der gängigen Lehrbuchbeschreibung der oben genannten Quellen. Chartformationen sind Interpretationshilfen; keine Formation hat eine feste Trefferquote.

Diese Seite dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Der Handel birgt Risiken; bitte treffen Sie Entscheidungen nach eigenem Ermessen. — Zuletzt aktualisiert: 2026-10-26

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